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Wälzlager richtig schmieren: Fett oder Öl, NLGI-Klasse und Nachschmier-Intervall – der Praxis-Ratgeber

Wälzlager mit Fettfüllung – Rillenkugellager als Beispiel für die richtige Wälzlagerschmierung mit Wälzlagerfett

Ein Wälzlager fällt selten wegen einer Werkstoffschwäche aus – deutlich häufiger ist die Schmierung schuld: falsches oder zu altes Fett, zu viel oder zu wenig davon, oder ein verschmutzter Schmierstoff. Dieser Ratgeber fasst zusammen, worauf es beim Schmieren von Wälzlagern in der Praxis ankommt. Es geht bewusst nicht um Aufbau, Bauformen oder Auswahl des Lagers selbst – dazu finden Sie alles auf unserer Übersichtsseite zu Wälzlagern. Hier steht die Schmierung im Mittelpunkt.

Fett oder Öl? Die Grundentscheidung

Rund neun von zehn Wälzlagern laufen mit Fett – und das aus guten Gründen: Fett bleibt an Ort und Stelle, dichtet den Lagerraum gegen Schmutz und Feuchtigkeit mit ab und braucht keine aufwendige Zuführung. Für die meisten Elektromotoren, Pumpen, Getriebe und Förderanlagen ist eine Fettschmierung die naheliegende Wahl. Ölschmierung wird interessant, wenn hohe Drehzahlen, hohe Temperaturen oder viel abzuführende Wärme im Spiel sind, oder wenn das Lager ohnehin an einen bestehenden Ölkreislauf (etwa im Getriebe) angebunden ist.

Als grobe Orientierung: Fett deckt den überwiegenden Teil der Standardanwendungen ab. Öl kommt zum Zug, wenn die Drehzahl-Kennwerte (n · dm) hoch liegen, wenn Wärme aktiv abgeführt werden muss oder wenn Betriebstemperaturen dauerhaft über dem sinnvollen Bereich üblicher Fette liegen. Die folgende Gegenüberstellung hilft bei der Einordnung.

Kriterium Fettschmierung Ölschmierung
Typischer Einsatz Standard bei mittleren Drehzahlen und Lasten Hohe Drehzahlen, hohe Temperaturen, Wärmeabfuhr
Abdichtung Fett dichtet selbst mit ab Zusätzliche Dichtung / Umlaufsystem nötig
Wärmeabfuhr Gering Hoch (Öl transportiert Wärme ab)
Wartung Nachschmieren oder wartungsfreie Lager (2RS/2Z) Ölstand / Ölwechsel, ggf. Umlaufanlage

Wälzlagerfett auswählen: worauf es ankommt

Ein Wälzlagerfett besteht im Kern aus einem Grundöl, einem Verdicker (der es „festhält“) und Additiven. Für die Auswahl sind vor allem drei Größen entscheidend:

  • Grundölviskosität: Sie muss zu Drehzahl und Temperatur passen. Als Faustregel gilt: langsame, schwer belastete Lager brauchen ein höherviskoses Grundöl, schnelle Lager ein dünnflüssigeres.
  • Verdickertyp: Lithium- und Lithiumkomplex-Seifen sind der verbreitete Allrounder. Für höhere Temperaturen oder besondere Medienbeständigkeit gibt es Alternativen wie Polyharnstoff oder Calciumsulfonat.
  • Temperaturbereich: Jedes Fett hat einen Gebrauchsbereich (Richtwerte, herstellerabhängig). Innerhalb dieses Bereichs verkürzt jede Erhöhung um ca. 15 °C die Fettgebrauchsdauer spürbar.

Wichtig für die Praxis: Nicht jedes Fett verträgt sich mit jedem anderen. Fette mit unterschiedlichen Verdickern können beim Mischen ihre Konsistenz verlieren und ausbluten. Beim Nachschmieren daher möglichst beim selben Produkt bleiben oder die Mischbarkeit vorab prüfen.

NLGI-Klassen: was die Zahl auf der Kartusche bedeutet

Die NLGI-Klasse beschreibt nicht die Schmierfähigkeit, sondern die Konsistenz – also wie weich oder fest ein Fett ist. Sie reicht von sehr weich (fließfähig) bis fest. Für Wälzlager ist meist die mittlere NLGI-Klasse 2 der Standard; sie bleibt gut im Lager, lässt sich aber noch fördern. Weichere Klassen (1 oder 0) kommen bei tiefen Temperaturen oder zentralen Schmieranlagen mit langen Leitungen zum Einsatz, festere Klassen (3) etwa bei senkrechten Wellen.

NLGI-Klasse Konsistenz Typische Verwendung
0 / 1 weich, fließfähig Tiefe Temperaturen, Zentralschmieranlagen
2 mittel (Standard) Die meisten Wälzlager, universeller Einsatz
3 fest Senkrechte Wellen, höhere Temperaturen

Kugellager schmieren: die richtige Menge und Technik

Beim Erstbefüllen offener Lager gilt eine einfache Regel: der freie Raum im Lager wird vollständig mit Fett gefüllt, der freie Raum im Gehäuse dagegen nur teilweise – bei mittleren bis hohen Drehzahlen etwa zu einem Drittel bis zur Hälfte. Ein randvoll gepacktes Gehäuse ist ein klassischer Fehler: Das Lager „walkt“ das überschüssige Fett, erwärmt sich stark und kann durch die Hitze frühzeitig ausfallen.

Fürs Lager fetten sauber arbeiten: Fett nicht mit bloßen Fingern, sondern mit sauberem Werkzeug einbringen und zwischen die Wälzkörper streichen, damit von Anfang an ein durchgehender Schmierfilm entsteht. Bei geschlossenen Lagern der Bauform 2RS oder 2Z entfällt das – sie sind ab Werk gefettet und für die Lebensdauer wartungsfrei ausgelegt; nachschmieren lässt sich hier nicht.

Nachschmierintervall abschätzen und Wartung planen

Wie oft nachgeschmiert werden muss, hängt von Lagerbauart, Drehzahl, Temperatur und Umgebung ab – eine pauschale Frist gibt es nicht. Die Größenordnung liefern die Nachschmierdiagramme der Lagerhersteller (abhängig von Drehzahl und Bohrungsdurchmesser). Zwei Praxisregeln helfen weiter:

  • Höhere Temperatur verkürzt das Intervall deutlich – als Richtwert halbiert sich die Fettgebrauchsdauer je ca. 15 °C oberhalb des Bezugswerts.
  • Staub, Feuchtigkeit, Vibration und senkrechte Wellen verkürzen die Intervalle zusätzlich; hier lieber häufiger und in kleineren Mengen nachschmieren.

Zur Wälzlager-Wartung gehört außerdem, beim Nachschmieren möglichst das Altfett abführen zu lassen (Fettaustrittsbohrung oder Auffangraum), damit sich kein verbrauchtes, verhärtetes Fett staut. Wer diese Punkte beachtet, holt aus einem Standardlager die volle rechnerische Gebrauchsdauer heraus – ganz ohne teure Sonderbauform.

Steinbach GmbH liefert Wälzlager namhafter Hersteller wie SKF, FAG/Schaeffler, INA und NTN. Bei der Zuordnung von Abdichtung (offen, 2RS, 2Z), Lagerluft und der passenden Fettausführung unterstützt Sie unser Team – wir sind Ihr Händler und Ansprechpartner, nicht der Fetthersteller, und beraten deshalb produktneutral.

Häufige Fragen

Fett oder Öl – was ist besser für Wälzlager?

Für die meisten Anwendungen ist Fett die praktischere Wahl: Es bleibt im Lager, dichtet mit ab und braucht keine Zuführung. Öl lohnt sich vor allem bei sehr hohen Drehzahlen, hohen Temperaturen oder wenn viel Wärme abgeführt werden muss – etwa bei Anbindung an einen bestehenden Ölkreislauf. In der Praxis läuft der Großteil der Wälzlager mit Fett.

Welche NLGI-Klasse eignet sich für Wälzlager?

Für die meisten Wälzlager ist NLGI-Klasse 2 der Standard – ein mittelfestes Fett, das gut im Lager bleibt und sich noch fördern lässt. Weichere Fette (Klasse 0/1) verwendet man bei tiefen Temperaturen oder in Zentralschmieranlagen, festere (Klasse 3) etwa bei senkrechten Wellen. Die NLGI-Klasse beschreibt nur die Konsistenz, nicht die Schmierfähigkeit.

Wie viel Wälzlagerfett gehört ins Lager?

Der freie Raum im Lager selbst wird vollständig mit Fett gefüllt, der freie Gehäuseraum dagegen nur teilweise – bei mittleren bis hohen Drehzahlen etwa zu einem Drittel bis zur Hälfte. Ein randvoll gepacktes Gehäuse führt zu Überhitzung durch das Walken des überschüssigen Fetts und ist einer der häufigsten Schmierfehler.

Kann man geschlossene Kugellager (2RS/2Z) nachschmieren?

Nein. Lager der Bauform 2RS (beidseitig Dichtung) oder 2Z (beidseitig Deckscheibe) sind ab Werk gefettet und für ihre Lebensdauer wartungsfrei ausgelegt – ein Nachschmieren ist konstruktiv nicht vorgesehen. Wer nachschmieren will, wählt offene Lager oder Ausführungen mit Schmiernippel.

Darf man verschiedene Wälzlagerfette mischen?

Grundsätzlich besser nicht. Fette mit unterschiedlichen Verdickern können beim Mischen ihre Konsistenz verlieren, ausbluten oder verhärten. Beim Nachschmieren möglichst beim selben Produkt bleiben. Muss gewechselt werden, vorab die Mischbarkeit prüfen und das Altfett soweit wie möglich entfernen.

Passende Produktgruppen:Wälzlager

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